Warum gibt es die Stiftung rauchfrei leben?
Rauchen ist schädlich, das weiß jeder und das lernen bereits kleine Kinder. Warum beginnen dann immer wieder Kinder und Jugendliche mit dem Rauchen? Warum schaffen es Kranke nicht, das Rauchen aufzugeben?
Der Staat muss die Bürger vor großen Gesundheitsgefahren schützen. Das verlangt unser Grundgesetz, Art. 2 Abs. 2 Satz 1. Wenn er dies nicht tut, was dann?
Das im Tabak enthaltene Nikotin macht stark abhängig und Tabakkonsum ist ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, über 20 verschiedene Arten oder Unterarten von Krebs und viele andere schwerwiegende Gesundheitsprobleme. Jedes Jahr sterben acht Millionen Menschen weltweit an den Folgen des Tabakkonsums. Eine Todesursache, die verheerender ist als Malaria und Tuberkulose, Autounfälle und Klimawandel, Kriege und Katastrophen zusammen.
Nicht das Rauchen verursacht die vielen Toten, sondern die Tabakindustrie.
Dabei kann Tabak auch für Nichtraucher tödlich sein.
Im Gegensatz zu dem breiten Wissen über die gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens in der Bevölkerung fehlt es an klaren Konsequenzen.
Wer soll nun handeln?
Muss jeder selbst entscheiden, ob er raucht oder nicht?

Muss jeder selbst entscheiden, ob er mit dem Rauchen beginnt oder nicht?
Der süchtige Raucher wird durch Tabak in seiner Umgebung dauernd herausgefordert: Im Supermarkt liegen Zigarettenschachteln in Armeslänge vor ihm, Zigarettenautomaten bieten sogar nachts das Suchtmittel an, die Sucht nach Nikotin gilt allgemein nicht als Makel. Eine Zigarette zu „schnorren“ ist gesellschaftlich akzeptiert. Unter diesen Prämissen kann die Entscheidung, das Rauchen aufzugeben, sehr leicht ins Wanken geraten. Muss jeder also selbst entscheiden, ob er raucht oder nicht?
In welchem Alter beginnen Menschen zu rauchen? Viele Raucher beginnen mit 11, 12 oder 13 Jahren, die meisten Menschen vor ihrem 18. Lebensjahr. Können sie so jung die Tragweite ihrer Entscheidung übersehen?
Wir dürfen nicht die Entscheidung über Rauchen oder Nichtrauchen oder das Gelingen des Aufhörens den einzelnen rauchenden oder nicht rauchenden Menschen – und insbesondere nicht den Kindern und Jugendlichen – überlassen.
Denn Kinder und Jugendliche müssen die Aufgabe bewältigen, eine eigene Identität zu definieren. Hier schalten sich die Tabakkonzerne ein und stellen in ihren Werbebotschaften Raucher als selbstbewusste und erfolgreiche Menschen dar. Sie legen es mit allen Mitteln gezielt darauf an, dass Rauchen für junge Menschen zu einem Teil ihres Selbstbildes wird. Dabei nutzt die Tabakindustrie die legitimen Wünsche junger Menschen schamlos aus, auf eine bestimmte „coole“ Weise wahrgenommen und sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen.
Kinder und Jugendliche können nicht wirklich verstehen, dass Tabak gefährlich ist und sie erleben Tabak nicht als bedrohlich, weil rauchende Menschen und der Verkauf von Zigaretten in ihrem Leben allgegenwärtig sind. In Supermärkten wird Tabak so wie ein Lebensmittel verkauft, Tabak kann sogar in manchen Krankenhäusern gekauft werden. Zigarettenautomaten stehen selbst nachts mit ihrem Angebot zur Verfügung.
Diese Allgegenwart von Tabak wirkt auf Kinder. Sie führt dazu, dass das Wissen um das Risiko, durch Rauchen krank zu werden, völlig abstrakt bleibt. Gerade junge Menschen werden aber sehr schnell süchtig, denn das im Tabak enthaltene Nikotin macht schnell und stark abhängig. Dies führt dazu, dass sogar Personen, die durch Tabak krank geworden sind, der Tabaksucht nicht widerstehen können und weiter rauchen.
Von diesem traurigen Elend will nun die Tabakindustrie profitieren, wie perfide dies auch gerade ist! Hinterhältig bringen die Tabakkonzerne „rauchfreie Produkte“ auf den Markt und wollen in heimtückischer Weise das Vertrauen der Menschen ausnutzen, um ihnen zu schaden. Unglaublich boshaft erklärt der Tabakkonzern Philipp Morris gleichzeitig heuchlerisch: „Die beste Entscheidung für jeden Raucher ist es, komplett mit dem Konsum von Tabak- und Nikotinerzeugnissen aufzuhören“.
Als vor 30 Jahren der Tabakkonzern Reemtsma die Marke R 1 auf den Markt brachte, die mit bunten Bildern fröhlich rauchender Menschen und dem Satz »Ich rauche gern!« beworben wurde, wählte meine Schwester diese Marke. Sie glaubte dem Versprechen einer Risikoverringerung. Die Marke R 1 wurde als „Leichtmarke“ beworben und meine Schwester, die wusste, wie gefährlich das Rauchen ist, stellte sich vor, mit der „Leichtzigarette R 1“ ihr Risiko reduzieren zu können. Denn die R 1 Zigaretten enthielten weniger Nikotin. Dies führte aber dazu, dass sie von den angeblich „leichteren“ Zigaretten viel mehr rauchte, sie kaufte mehr Zigaretten, Reemtsma verdiente mehr, ihr Gesundheitsrisiko stieg!
Das war eine traurige Kaskade, der meine liebe Schwester zum Opfer fiel, sie erkrankte an COPD, litt viele Jahre lang und starb vor sieben Jahren qualvoll an einer Lungenentzündung.
Heute blickt die 48jährige Claudia, „eine echte Konsumentin, die für die Teilnahme an dieser Aufklärungskampagne entlohnt wurde“ aus zwei unterschiedlichen Augen halb in sich gekehrt und halb den Betrachter ansehend von einer ganzseitigen Anzeige auf die Leserinnen und Leser von Frauenzeitschriften und Magazinen. Die Überschrift lautet: „Meine Familie liebt´s!“

E-Zigaretten sind also der neueste Schwindel.
Weil Tabakwerbung in Zeitschriften verboten ist, behauptet der Tabakkonzern Philip Morris kurzerhand, es handele sich bei diesen ganzseitigen Anzeigen um eine „Aufklärungskampagne“. Das ist wirklich hinterhältig, denn selbstverständlich geht es dem Tabakkonzern nicht um Aufklärung, sondern um die Maximierung seines Profits.
Unabhängige Untersuchungen zeigen, dass viele E-Zigaretten mehr giftiges und süchtig machendes Nikotin enthalten als eine ganze Schachtel Zigaretten, und dass Jugendliche, die vapen, dreimal häufiger mit dem Rauchen von Zigaretten beginnen.
Die Tabakindustrie ist unglaublich lukrativ und Geld spielt gar keine Rolle. Es ist die Strategie von Philipp Morris, zu täuschen, und als weitere Steigerung seiner miesen Machenschaften will der Konzern als Wohltäter zu erscheinen.
Tobacco Industry Interference – Machenschaften der Tabakindustrie
Am 11. November 2025 lädt der Tabakkonzern Philip Morris über 400 Gäste aus Politik, Gesellschaft, Medien, Kunst und Kultur in die Berliner Bolle Festsäle ein. „Corporate Social Responsibility“ (CSR) ist die niederträchtige Taktik des Konzerns, unter der gelogenen Vorgabe, damit soziale Verantwortung übernehmen zu wollen, Zugang zu politischen Entscheidungsträgern, Einfluss auf gesellschaftliche Akteure und nicht zuletzt positive Medienberichterstattung zu gewinnen.
Der Konzern bietet den geladenen Gästen nicht nur freies Essen und Getränke, sondern den drei Preisträgern 150.000,00 €. Neben der Geschäftsführerin von Philip Morris Veronika Rost tritt schamlos der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig für den Tabakkonzern auf. Albig war früher Pressesprecher der Finanzminister Eichel und Steinbrück war und verfügt über zahlreiche für Philip Morris wertvolle und nützliche Kontakte in die Politik. Die Zeitschrift Gala berichtet ganzseitig und absolut werbewirksam!

Gysi als Juror für Philip Morris
Kaum zu glauben, aber wahr: Dr. Gregor Gysi ist Teil der Jury für den Tabakgiganten Philip Morris, damit dieser „Gutes“ tun kann. Es ist gruselig, dass sich Gysi in den Dienst des Tabakkonzern stellt und das schmutzige Geld der Branche annimmt. So macht Gysi gemeinsame Sache mit einer Mörderbande! Noch gruseliger ist nur folgendes: Im Rahmen der Gala stellte der Konzern seine Studie „Wie wir wirklich leben“ vor. Prämisse der Studie: „In Deutschland war ein Defizit in der Leistungsfähigkeit der Politik während der letzten Legislaturperiode offensichtlich“. Die Tatsache, dass Tabakkonzerne ihr skrupellos verdientes Geld einsetzen, um Studien zu finanzieren, die die Arbeit unseres politischen Systems bewerten und sich damit über das politische System selbst stellen, ist abscheulich. Der Tabak Gigant Philipp Morris in Deutschland nutzt in Deutschland schier unendliche Möglichkeiten zur Maximierung seines Profits.
Wir stellen fest, dass die Tabakindustrie mit ihren schier unendlichen Mitteln erfolgreich Persönlichkeiten, von denen wir das nie gedacht hätten, einkauft und sogar ehemalige Regierungschefs in ihren Dienst stellt, dass sie mit einer Armada von Rechtsanwälten Widerstand gegen Kontrollmaßnahmen leistet, immer noch irreführende Forschungsergebnisse verbreitet, CSR-Initiativen als angeblich wohltätige Aktionen in vielen verschiedenen Varianten durchführt. Die Tabakindustrie stiftet gezielt Verwirrung und nutzt Frontgruppen, um den Eindruck einer breiten Unterstützung für ihre Positionen zu erwecken. In Deutschland ist es ihr gelungen, ein juristisches Gestrüpp von Regelungen und Zuständigkeiten zu schaffen, dass einer wirksamen Tabakkontrolle entgegensteht. Die Tabakindustrie richtet sich häufig mit wirtschaftlichen Argumenten gegen Nicht-Gesundheitsbehörden (Finanzen, Handel, Zoll) und behauptet beispielsweise, dass höhere Steuern den illegalen Handel anheizen und damit die Finanzpolitik erfolgreicher beeinflussen als die Gesundheitspolitik.
Es gibt einen Konflikt zwischen den Interessen der Tabakindustrie und der öffentlichen Gesundheit, der unvereinbar ist. Die Tabakindustrie greift weltweit an.
Wer kennt FCTC?
Vor zwanzig Jahren, am 27. Februar 2005, trat nach jahrelanger Arbeit das weltweit erste globale Gesundheitsabkommen in Kraft: das Rahmenübereinkommen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Eindämmung des Tabakkonsums (Framework Convention on Tobacco Control, FCTC).
Deutschland unterzeichnete das Abkommen am 24. Oktober 2003 und ratifizierte es am 16. Dezember 2004. 90 Tage später, also am 16. März 2005, wurde es in Deutschland bindend.
Dieser Vertrag bot den weltweit ersten umfassenden Rahmen für die Tabakkontrolle – eine einheitliche, evidenzbasierte Methode für Länder, um gegen eine Industrie vorzugehen, die mit globalen Taktiken versuchte, so viele Menschen wie möglich abhängig zu machen.
Das Ziel der FCTC ist es, heutige und künftige Generationen vor den verheerenden gesundheitlichen, gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des Tabakkonsums und des Passivrauchens zu schützen.
Alle in dem Vertrag vereinbarten Maßnahmen haben sich als wirksam bewiesen. Steuererhöhungen, Schaffung von rauchfreien Umgebungen, sichtbare Gesundheitswarnungen auf Verpackungen, das Verbot jeglicher Tabakwerbung, jeder Verkaufsförderung und Verbot von Sponsoring, Durchsetzung von Altersbeschränkungen für den Kauf sind Maßnahmen, die zu weniger rauchenden Menschen führen.
Nachdem die Stiftung im Jahr 2007 gegründet wurde, sind viele der Maßnahmen der FCTC auch in Deutschland Wirklichkeit geworden. Restaurants und Verkehrsmittel wurden rauchfrei, Gesundheitswarnungen stehen auf den Verkaufsverpackungen, weitere Werbeverbote sind in Kraft getreten, es werden also keine Großplakate mehr auf den Straßen gezeigt. Wir sind vorangekommen!
Diese deutlichen Verbesserungen fallen ins Auge und wir können uns manchmal kaum noch daran erinnern, als in Restaurants geraucht wurde, in Zügen geraucht wurde. In Innenräumen wurde eine rauchfreie Umgebung bereits zur Normalität. Dies bringt nicht nur gesundheitliche Vorteile, sondern kann auch dazu beitragen, die gesellschaftliche Akzeptanz des Konsums von Tabak zu verringern.
Diese vielen verschiedenen Maßnahmen sind enorm wichtig. Noch wichtiger erscheint aber die Umsetzung einer Bestimmung aus dem Vertragswerk, die noch nicht wirklich allgemein bekannt ist, auch nicht bei allen Vertretern der Politik.
Die Bestimmung, von deren vollständiger Umsetzung wir am meisten profitieren werden, ist der Artikel 5.3. Der Artikel 5.3 verpflichtet die Regierungen, ihre Gesundheitspolitik vor dem Einfluss und den Einmischungen der Tabakindustrie zu schützen.
Artikel 5.3 verpflichtet die Vertragsparteien, die Gesundheitspolitik vor kommerziellen und anderen Interessen der Tabakindustrie zu schützen. Er ist verbindlich und gilt für alle Regierungszweige, in denen die Tabakkontrollpolitik betroffen sein könnte. Die 2008 verabschiedeten Leitlinien zur Umsetzung von Artikel 5.3 bleiben der maßgebliche Rahmen:
„FCTC-Leitlinien zu Art. 5.3
Ergänzend zur FCTC erkennen die Vertragsparteien in den im Jahr 2008 verabschiedeten Leitlinien den „fundamentalen und unüberbrückbaren Widerspruch zwischen den Interessen der Tabakindustrie und des Gesundheitswesens“ an und empfehlen u. a. folgende Maßnahmen zur Unterstützung der Vertragsparteien bei der Umsetzung des Rahmenabkommens:
- Aufklärung über die Einflussnahme der Tabakindustrie auf die Einführung von Tabakkontrollmaßnahmen,
- Einschränkung der Beeinflussungsmöglichkeiten durch die Tabakindustrie und Transparenz aller Kontakte mit der Tabakindustrie,
- Verhinderung von Partnerschaften und nicht bindenden oder nicht vollstreckbaren freiwilligen Vereinbarungen mit der Tabakindustrie,
- Vermeidung von Interessenkonflikten von Regierungsvertretern und -angestellten sowie deren Berater und Auftragnehmer über u. a. das Verbot der Annahme von Geldzahlungen, Werbegeschenken oder Dienstleistungen sowie des Verbots der Teilnahme der Tabakindustrie an gesundheitsrelevanten Gremien und Arbeitsgruppen.
- Transparenz und umfassende Aufklärung über die Aktivitäten der Tabakindustrie und deren Gewährleistung.
- Denormalisierung und Reglementierung jeglicher als „unternehmerische Sozialverantwortung“ beschriebene Unternehmenskommunikation der Tabakindustrie, sofern diese nicht bereits unter Artikel 13 der FCTC (Tabakwerbung, Förderung des Tabakverkaufs und Tabaksponsoring) verboten ist.
- Verhinderung staatlicher Unterstützung der Tabakindustrie (Subventionen und Steuervorteile).“
„Europa Einmischung der Tabakindustrie Index 2025“
Im November 2025 ist der Bericht „Tobacco Industry Interference Index 2025“ erschienen, der sich auf 25 Länder der Europäischen Region der WHO bezieht. Dieser Bericht analysiert, inwieweit diese Länder von der Einflussnahme der Tabakindustrie betroffen sind und welche Fortschritte sie bei der Umsetzung von Artikel 5.3 und den dazugehörigen Leitlinien erzielt haben. Untersucht wird dabei insbesondere die Situation in Deutschland. Unser Land spielt in dem Bericht eine Hauptrolle, da zu den meisten Fragestellungen Verstöße benannt werden. So bietet der aktuelle Bericht einen vergleichenden Überblick darüber, wie Länder sich gegen die Einmischung der Tabakindustrie wehren. Er hebt sowohl die stärksten als auch die schächsten Beispiele unter den 25 bewerteten Ländern in Europa hervor. Insgesamt erhält Deutschland eine Bewertung mit 70 Punkten, wobei die höhere Punktzahl das schlechtere Ergebnis widerspiegelt, während Länder wie die Niederlande und Finnland mit 34 Punkten, Frankreich mit 42 Punkten und Großbritannien mit 45 Punkten erheblich besser abschneiden, weil sie bessere Schutzmaßnahmen umgesetzt haben.
Die vollständige Untersuchung kann hier im Original (englisch) abberufen werden.
Es folgen die Untersuchungsergebnisse, die Deutschland betreffen. Sie werden wörtlich widergegeben:
Der Bericht ist in sieben Indikatoren unterteilt, die die Leitlinien zu Artikel 5.3 widerspiegeln.
Indikator 1: Beteiligung an der Politikgestaltung
In Deutschland deuten die wenigen öffentlich zugänglichen Informationen darauf hin, dass die Tabakindustrie Möglichkeiten hat, politische Entscheidungen zu beeinflussen. Das 2021 im Schnellverfahren verabschiedete Gesetz zur Tabakbesteuerung sah bis 2026 nur minimale jährliche Erhöhungen vor und behielt niedrigere Sätze für Feinschnitttabak bei, was als für die Industrie günstig angesehen wird. Darüber hinaus sitzt ein Vertreter des Bundesverbandes der BVTE in der Kommission für Einwegkunststoffe, die den Gesetzgeber zu Steuersätzen für Artikel wie Zigarettenfilter berät.
Indikator 2: Soziale Verantwortung von Unternehmen
Zahlreiche Fälle veranschaulichen die engen Verbindungen zwischen politischen Entscheidungsträgern, öffentlichen Institutionen und der Tabakindustrie.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Bundespräsidenten und der Körber-Stiftung ist besonders bemerkenswert.
Seit 1973 arbeitet jeder Bundespräsident, einschließlich des derzeitigen Amtsinhabers, mit der Stiftung für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zusammen. Die Körber-Stiftung ist alleinige Eigentümerin der Körber AG, dem weltweit führenden Hersteller von Zigarettenmaschinen, der bis vor kurzem angab, dass zwei Drittel aller Filterzigaretten und Tabakprodukte weltweit mit seinen Anlagen hergestellt werden. Die Körber AG expandiert auch in den Bereich Maschinen für neue Tabak- und Nikotinprodukte.
Indem sie sich als „Technologiekonzerne“ präsentieren, verschleiern sowohl die Körber AG als auch ihre Tochtergesellschaft Körber Technologies (ehemals Hauni) ihre Verbindungen zur Tabakindustrie, obwohl Körber Technologies weiterhin Mitglied der Lobbyorganisation BVTE ist. Der Geschichtswettbewerb richtet sich an Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 21 Jahren und wird von hochrangigen Beamten begleitet. Zu seinem Kuratorium gehören hochrangige Beamte auf Bundes- und Landesebene, und in der Jury sitzen Beamte.
Die Gewinner auf Bundesebene werden in der Residenz des Bundespräsidenten von dem Bundespräsidenten und einem Vertreter der Körber-Stiftung geehrt, während Preise auf Landesebene von Landesregierungschefs, Ministern oder hohen Beamten überreicht werden.
Mehrere Gemeinden, darunter Flensburg, Krozingen, Meißen, Egelsbach und Oberheldrungen, haben sich mit der Tabakindustrie zu Projekten zur Beseitigung von Zigarettenkippen zusammengeschlossen. Als Umweltinitiativen formuliert, verbessern solche Aktivitäten das Image der Branche. Weitere Beispiele finden sich in den Bundesländern Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Indikator 3: Vorteile für die Tabakindustrie
Ein umfassendes Verbot von Werbung, Verkaufsförderung und Sponsoring ist nach wie vor unvollständig, mit langen Übergangsfristen und der neuen CDU/CSU-SPD-Regierung, die weitere Beschränkungen ausschließt. Die Steuerpolitik ab 2021 garantiert minimale jährliche Erhöhungen bis 2026, wobei Unter- und Überschreitungen zulässig sind, und die Koalition hat Kontinuität zugesagt. Auf lokaler Ebene veranstaltet die Stadt Dortmund neben der Evo Nxt die weltweit größte Tabakmesse, die InterTabac, und bietet der Branche damit regelmäßig Plattformen für Werbezwecke.
Darüber hinaus bleiben Steuerbefreiungen für Tabakzulagen für Arbeitnehmer in Höhe von rund 3 Millionen Euro bestehen, obwohl die Regierung anerkennt, dass sie den nationalen Gesundheits- und Nachhaltigkeitszielen widersprechen.
Indikator 4: Formen unnötiger Interaktion
In Deutschland sind zahlreiche Vorfälle dokumentiert, an denen hochrangige Entscheidungsträger und die Tabakindustrie beteiligt waren. Im Januar 2025 nahmen der Finanzminister, der Erste Bürgermeister Hamburgs und der Leiter des Bundeskanzleramtes am Hamburger Presseball teil, der von Philip Morris gesponsert wurde.
Im Jahr 2024 nahmen der deutsche Bundeskanzler, der Verteidigungsminister, der Finanzminister und der Landwirtschaftsminister an der Spargelreise des Seeheimer Kreises teil, die von BAT, JTI, PMI, Reemtsma und dem Bundesverband der Zigarrenindustrie mitgesponsert wurde. Der Außenminister und andere Kabinettsmitglieder hielten 2024 ebenfalls Reden auf dem Berliner Außenpolitischen Forum der Körber-Stiftung.
Im Jahr 2023 nahm der Gesundheitsminister trotz Widerstands von Gesundheitsorganisationen an der von PMI gesponserten Konferenz „ZEIT für Forschung“ teil, und ein weiterer Politiker der SPD besuchte eine von Tabakunternehmen gesponserte Veranstaltung des Seeheimer Kreises.
Indikator 5: Transparenz
Zu diesem Indikator wird kein Beispiel aus Deutschland genannt.
Indikator 6: Interessenkonflikte
Beiträge der Tabakindustrie an politische Parteien sind weiterhin zulässig, sowohl in Form von Spenden als auch in Form von Sponsoring. Im Jahr 2023 erhielten mehrere politische Parteien Spenden in Höhe von mindestens 120.000,00 €, wobei Philip Morris seine Beiträge im Vergleich zu den Vorjahren deutlich erhöht hat. Sponsoring, das oft mit höheren Summen verbunden ist, wird nicht systematisch offengelegt, obwohl die BVTE CDU-Parteitage in den Jahren 2024 und 2025 unterstützt hat. Der ehemalige SPD-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein wurde 2023 Leiter der Abteilung für Außenbeziehungen bei PMI und ist dort für Lobbyarbeit und Regulierungsfragen zuständig, während er weiterhin enge Beziehungen zu hochrangigen SPD-Politikern, darunter dem amtierenden Bundeskanzler unterhält.
Indikator 7: Präventivmaßnahmen
Keines der in diesem Bericht behandelten Länder hat ein Programm oder System veröffentlicht, um das Bewusstsein für Artikel 5.3 in allen Ministerien und Institutionen zu fördern, obwohl das in den Leitlinien empfohlen wird.
In Deutschland sind Geschenke oder Spenden von der Tabakindustrie nicht verboten.
Aus dieser Dokumentation des Berichts, soweit er Deutschland beschreibt, ergibt sich, dass Deutschland in praktisch allen Bereichen hinterher hinkt. Hinzu kommt, dass sich der Bewertungsindex, der dokumentiert, wie gut Deutschland die Politik vor Einmischungen der Industrie geschützt und wie erfolgreich es Art. 5.3 umgesetzt hat, seit den früheren Berichten in den Jahren 2021 und 2023 nicht verbessert, sondern verschlechtert hat. 2021 wurde eine Punktzahl von 68 erreicht, 2023 und 2025 70 Punkte.
20 Jahre FCTC
Nach 20 Jahren ist es an der Zeit, das weltweite Engagement für das WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums (FCTC) und besonders für Artikel 5.3 zu verstärken. Der Staat muss seine Bürger vor großen Gesundheitsgefahren schützen, das verlangt unser Grundgesetz, Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 GG. Das Rahmenabkommen zur Tabakkontrolle (FCTC) gibt den Weg vor und bindet die Politik.
Denn die FCTC ist ein unbestreitbarer Gewinn nicht für die globale öffentliche Gesundheit, sondern konkret für die Gesundheit der Bürger in Deutschland. Um weiterhin Leben auf der ganzen Welt zu retten, müssen die Regierungen ihr Engagement für dieses globale Gesundheitsabkommen bekräftigen und Artikel 5.3 vollständig umsetzen. Mit Art. 5.3 wird eine wirksame Tabakkontrollpolitik geschützt, damit werden letztlich die Menschen geschützt. Die tödliche Tabakindustrie kann und muss ein Ende finden! Niemandem darf es erlaubt sein, andere in industriellem Maßstab zu vergiften. Tabak ist ein betrügerisches Produkt, das wie andere nachweislich schädliche Stoffe nicht hergestellt und verkauft werden darf.
Schafft die Tabakindustrie ab!
Bis dahin fehlt uns dringend die genaue Beachtung von Art. 5. 3 und die gesellschaftliche Ächtung der Tabakindustrie.
Die Bundesregierung muss die Weichen für ein tabakfreies Deutschland stellen, damit das Siegerplakat des Plakatwettbewerbs des Forum Rauchfrei (Der Bundestag „Sponsored by Philip Morris“) nur noch Geschichte ist.

Wir haben uns auf den Weg zu einer tabakfreien Generation gemacht. Da wir wissen, welche Maßnahmen wirksam sind, müssen diese Maßnahme jetzt umgesetzt werden. Wir brauchen Gesetze zur Beendigung des Tabakkonsums und diese müssen jetzt auf den Weg gebracht werden, damit Kinder und Jugendliche endlich die Chance auf ein Leben ohne Tabak haben.
Die Satzung der Stiftung rauchfrei leben
Es folgt der Zweck der Stiftung, wie er am 1. Juli 2007 von Werner Rottschky und Johannes Spatz in der Satzung der Stiftung festgelegt worden ist.
„§ 2 Zweck
1.
Die Stiftung hat den Zweck, das öffentliche Gesundheitswesen durch die Förderung eines rauchfreien Lebens und die Bekämpfung der Tabakseuche zu fördern. Diese Förderung geschieht vor allem durch
das Eintreten für einen umfassenden gesetzlichen Nichtraucherschutz;
die Entwicklung und Mitwirkung an Maßnahmen der Tabakpräventions, insbesondere für Kinder und Jugendliche;
die Aufklärung über die Gefahren des Tabakkonsums;
die Aufklärung über die Umweltschädlichkeit des Anbaus und der Verarbeitung von Tabakpflanzen sowie des Tabakrauchs;
die Unterstützung von Raucherentwöhnungsmaßnahmen;
Bemühungen um eine Erhöhung der Tabaksteuer;
Bemühungen, den freien Verkauf von Tabakwaren zu begrenzen;
Bemühungen, die Tabakwerbung zu verbieten;
die Information der Öffentlichkeit über die Entwicklung des Nichtraucherschutzes und der Tabakprävention;
die Stärkung der Rahmenbedingungen für ein rauchfreies Leben;
die Stärkung der positiven gesellschaftlichen Wahrnehmung und der Normalität des Nichtrauchens;
Information der Öffentlichkeit über die Politik der Tabakindustrie;
Bekämpfung der Machenschaften der Tabakindustrie.
2.
Die Stiftung kann sich zur Verfolgung dieses Zweckes an den Maßnahmen anderer gemeinnütziger Vereinigungen beteiligen.
3.
Die Stiftung kann zur Verfolgung dieses Zweckes auch Preisgelder und Sachgewinne im Rahmen von Wettbewerben zu den genannten Themenkreisen aussetzen.
4.
Die Stiftung bemüht sich um Kontakte zur Wissenschaft, zur Politik, zu Bildungseinrichtungen und anderen geeigneten Institutionen, um eine breite Grundlage zur Verfolgung des Stiftungszwecks zu schaffen und begleitet ihre Maßnahmen durch Öffentlichkeitsarbeit.
5.
Die Stiftung kann ihre Zwecke auch im Ausland verfolgen, wenn dadurch der Stiftungszweck im Inland gefördert wird.“
Die Stiftung rauchfrei leben nimmt keine Spenden von der Tabakwirtschaft entgegen.
Die Stiftung unterstützt Organisationen, die sich für die hier genannten Ziele einsetzen.
Die Stiftung rauchfrei leben unterstützt das Forum Rauchfrei.

