Zigaretten müssen sehr viel teurer werden. E-Zigaretten auch!
Die EU-Kommission setzt sich für höhere Steuern auf Tabakprodukte ein und will die Richtlinie über die Verbrauchsteuer auf Tabakwaren überarbeiten.
Deutliche Tabaksteuererhöhungen sind die wirksamste Maßnahme, um rauchende Menschen zum Nichtrauchen zu motivieren und nichtrauchende Menschen – vor allem Jugendliche – von dem Einstieg ins Rauchen abzuhalten. Deshalb sollen die Steuern erhöht werden und die Geltung soll ausgeweitet werden.
Denn seit der letzten Aktualisierung der EU-Tabaksteuerregelungen im Jahr 2010 haben mehrere andere Produkte, die große Gesundheitsrisiken bergen, die Sucht verlängern und als Einstieg in den Zigarettenkonsum dienen, wie E-Zigaretten, erhitzte Tabakprodukte und Nikotinbeutel, an Marktanteilen gewonnen.
Unabhängige Studien zeigen, dass E-Zigaretten insbesondere bei Kinder und Jugendliche eine Einstiegsdroge zum Rauchen von Zigaretten sind. Durch hohe Steuern muss besonders die Attraktivität dieser knallbunten Produkte verringert werden.
Wir brauchen höhere Tabaksteuern! Tabaksteuern sind kein moralischer Zeigefinger. Vielmehr senken höhere Tabaksteuern nachweislich den Konsum und damit die Gesundheitsgefahren. Dagegen ist keinesfalls sicher, dass es sich bei den E-Zigaretten, erhitzten Tabakprodukten und Nikotinbeutel um weniger schädliche Alternativen handelt.

Dies behauptet aber die Tabakindustrie und ist sich einig: Über 80 Unternehmen der Tabakindustrie aus ganz Europa – wie die Tabakzeitung schreibt – „von Tabakpflanzern über Maschinenbauer (näheres zum Maschinenbauer unten!) bis zu internationalen Konzernen“ haben am 5. Dezember 2025 gemeinsam einen Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geschickt: Europa solle „seine Wirtschaft und die öffentliche Gesundheit nicht durch ineffektive Steuerpolitik untergraben“. Die Unternehmen verlangen niedrigere Steuern und besonders weniger Steuern für E-Zigaretten. Dass Tabaksteuererhöhungen zu weniger Nikotinkonsum führen, ist der Tabakindustrie nicht recht. Sie pocht auf die Profitmaximierung. Die höhere Besteuerung soll „dramatische Folgen für die europäische Wirtschaft“ haben und würde „Wachstum und Innovation hemmen“. Für die Profite wird gelogen: „Für die Gesundheit der europäischen Bürger gäbe es jedoch nur begrenzte – oder wahrscheinlich gar keine – Vorteile“, so das Schreiben an die Kommission. Denn die Branche leiste einen „beeindruckenden Beitrag zur europäischen Wirtschaft, der durch die Steuererhöhungspläne gefährdet“ sei.
Weiter aus dem Brief der Tabak-Bosse: „In Zeiten geopolitscher Unsicherheit und fragiler Lieferketten ist die Widerstandsfähigkeit Europas der Konkurrenz starker Volkswirtschaften wie China und den USA ausgesetzt und hängt von Sektoren ab, die lokal Wert schaffen. Unser Sektor ist einer davon und wird durch den vorgeschlagenen politischen Ansatz gefährdet. Es steht viel auf dem Spiel.
Unser Sektor trägt 224 Milliarden Euro zum BIP der EU-27 bei, was 1,3 % der gesamten Wirtschaftsleistung der EU entspricht und höher ist als die Telekommunikations- und Textilindustrie zusammen. Als eigenständiger EU-Mitgliedstaat wäre er die 17. Größte Volkswirtschaft in der EU, zwischen Griechenland und Ungarn.
Unsere Produktverkäufer generieren 112,9 Milliarden Euro an Mehrwertsteuer- und Verbrauchsteuereinahmen, was mehr als der Hälfte der Verteidigungsausgaben der EU entspricht.
Der Sektor sichert 2,1 Millionen Arbeitsplätze in der gesamten EU, vom Tabakanbau über die Verarbeitung und den Vertrieb bis hin zum Einzelhandel, von der RCD bis zur Elektronikfertigung für neue Nikotinprodukte. Diese Arbeitsplätze generieren Löhne in Höhe von 61 Milliarden Euro.
Die EU nimmt auch im globalen Handel eine starke Position ein. Auf die 27 EU-Mitgliedstaaten entfallen fast 40 % der weltweiten Tabakexporte.“
Weiter mit dem Gespenst des illegalen Handels: „Der illegale Handel entzieht dem öffentlichen Sektor die für das Gesundheitswesen, die Infrastruktur und das Bildungswesen benötigten Finanzmittel.“ Kann man noch dreister lügen? Ja, man kann: „Übermäßige Steuererhöhungen auf alle Produkte (Zigaretten, Feinschnitttabak und, schlimmer noch, innovative Produkte) unterschätzen das Risiko, dass kriminelle Netzwerke größere Chancen erhalten, ihren Marktanteil auszubauen, und könnten darüber hinaus die Erschwinglichkeit besserer Alternativprodukte für Verbraucher mit niedrigem Einkommen gefährden.“
Der Inhalt des Briefes, den die Tabakbosse an die Kommission geschrieben haben, wird hier auf unserer Webseite besonders umfangreich zitiert. Es soll deutlich werden, wie clever die Tabakindustrie versucht, die Politik zu beeinflussen und dass sie vor nichts zurückschreckt. Die Konzerne spielen sich geradezu als Wohltäter für Menschen mit geringen Einkünften auf. Ein Unternehmen, dass sich hier mit den anderen Unternehmen gemeinsam ganz vehement für die Interessen der Tabakindustrie einsetzt, weil es selbst Teil dieser Industrie ist, unterschreibt den Brief mit den 80 anderen Unternehmen in einer Reihe mit den Weltkonzernen nach British American Tobacco und vor Philip Morris International: die Körber Technologies GmbH. Sie engagiert sich nachdrücklich politisch, um die von der Kommission vorgeschlagene Aktualisierung der Tabaksteuerrichtlinie zu torpedieren. Der Vorschlag der Kommission war entsprechend dem „Europäischen Plan zur Krebsbekämpfung“ der EU erfolgt und hat die zentrale Rolle der Besteuerung bei der Reduzierung des Tabakkonsums und der Abschreckung junger Menschen vom Rauchen hervorgehoben. Rund 40 % des Rückgangs des Rauchens in der EU in den letzten zehn Jahren sind auf die Besteuerung zurückzuführen. Es geht hier um Gesundheit und Menschenleben!
Gegen diese Pläne der Kommission stellt sich die Körber Technologies GmbH als Teil der Körber AG, einem Unternehmen der Tabakindustrie, um der Profitmaximierung willen. Die Körber Technologies GmbH ist Teil der Körber AG.
Warum ist das wichtig?
Am 8. Dezember 2025 hat uns der Bundespräsident mitteilen lassen, dass die Körber AG nicht zur Tabakindustrie gehört. Nicht zu fassen, oder? Doch es stimmt.
Das Schreiben des Bundespräsidenten vom 8. Dezember 2025 im Ganzen (der letzte Satz ist hier entscheidend):


Während der Bundespräsident die Körber AG nicht zur Tabakindustrie zählt, sieht sogar der Körber-Konzern dies anders und schreibt auf der eigenen Webseite, dass seit dem 1. September 2022 alle Marken der Hauni Group zu Körber geworden sind und aus dem Körber-Geschäftsfeld Tabak das Geschäftsfeld Technologies geworden ist. „Diese Namensänderung unterstreicht unsere enge Verbindung zu den anderen Geschäftsfeldern des Körber-Konzerns und unseren Anspruch, über die Grenzen der Tabakindustrie hinaus zu wachsen.“
Auch für den Bundespräsidenten kann die Zeit nicht stehen bleiben. Wir sind nicht mehr im Jahr 1973. Am Bundespräsidialamt fahren keine doppelstöckigen Busse des öffentlichen Nahverkehrs mit Raucherlaubnis im Obergeschoss entlang, sondern einstöckige Busse meist mit Elektroantrieb. Die Körber AG selbst sieht, was nicht zu übersehen ist, nämlich die „existenzielle Verbundenheit der Körber AG und den zu ihr gehörenden Unternehmen mit der Körber-Stiftung und ihren gesellschaftlichen Aktivitäten“, wie sie selbst es auf ihrer Webseite schreibt.
Der Bundespräsident, der sich auf das Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs beruft, um nach der dortigen Begriffsbestimmung die Körber AG als Teil der Tabakindustrie auszuschließen, muss im Gegenteil daran mitwirken, den Artikel 5.3 dieses Rahmenübereinkommens umzusetzen.
Denn dies ist die Bestimmung, von deren vollständiger Umsetzung wir am meisten profitieren werden. Der Artikel 5.3 verpflichtet die Regierungen, ihre Gesundheitspolitik vor dem Einfluss und den Einmischungen der Tabakindustrie zu schützen.
Artikel 5.3 verpflichtet die Vertragsparteien, die Gesundheitspolitik vor kommerziellen und anderen Interessen der Tabakindustrie zu schützen. Er ist verbindlich und gilt für alle Regierungszweige, in denen die Tabakkontrollpolitik betroffen sein könnte.
Die Zusammenarbeit des Bundespräsidenten mit der Tabakindustrie wertet die Tabakindustrie auf. Es geht um die Gesundheit und das Leben vieler Menschen. Wir fordern die vollständige Ächtung der Tabakindustrie. Der Bundespräsident muss seine Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung beenden.
Tabak weniger verfügbar, weniger erschwinglich und weniger sichtbar zu machen, muss eine solidarische Pflicht der Gesellschaft sein, den Menschen gegenüber, die in ihrer Jugend in die Nikotinsucht gezogen wurden.

